Scalable Capital durchbricht Milliardengrenze – Erfolg des StartUps und Scheitern des Volkes

Scalable Capital, made-in-Germany Robo-Advisor, schafft es (mehr als) eine Milliarde Kapital zu sammeln. Wir sehen dahinter ein außergewöhnlicher StartUp-Erfolg und gewöhnliches Scheitern der Investment-Kultur in Deutschland.

Vor allem gratulieren wir das Team von Scalable zum großem Erfolg. Deutsche Kultur begönnert die Mutter-Dreher am Fließband, auch die Managers aber kaum die Unternehmer und StartUper, insb. wenn es nicht um Machinenbau, sondern um die postindustrielle Wirtschaft geht. Deshalb ist der Erfolg von Scalable wirklich hervorragend.

Nach wie vor sind wir der Meinung, dass Scalable für seine Kunden Mehrwert schafft. Allerdings nur für die faulen und finanziell ungebildeten Kunden: und dieses Kundenprofil ist leider in der Tat sehr typisch in Deutschland. Zwar verbessert sich die Situation langsam, aber nach wie vor scheut sich die Mehrheit von Mitbürgern in die Aktien zu investieren. Und denjenigen, die es doch machen, fehlt das elementare Wissen: z.B. wissen nur die Wenigen, wie man die Rendite eines Sparplans berechnet (und warum diese Kennzahl äußerst wichtig ist). Der finanzielle Analphabetismus kommt auch unter "Profies" vor, die 3% im Monat in 36% jährlich umrechnen (richtig ist (1+0,03)^{12}=1,4258 also 42,58%).

In diesem Zusammenhang ist es natürlich besser, das Geld solchem Robo-Advisor wie Scalable anzuvertrauen, als auf Tageskonto liegen zu lassen. Beachte, diese Aussage darf nicht für jeden Asset Manager pauschalisiert werden! Z.B. haben wir früher über das Rotem Buch von Quirin berichtet, in welchem steht: Gegen den Trend erzielten wir etwa im Jahr der Finanzkrise 2008 eine deutlich positive Rendite auf das Kundenvermögen. Als wir Quirin gebeten haben, diese Aussage nachzuweisen, kam die Antwort leider dürfen wir nur Factsheets veröffentlichen, die nicht länger als fünf Jahre zurückliegen - insoweit sind aus dem Jahr 2008 keine Daten mehr öffentlich verfügbar… die Bafin hat auf unsere Anfrage aber mitgeteilt, dass es - bezogen auf unsere konkrete Anfrage - keine aufsichtlichen Vorgaben gibt, die eine Zurverfügungstellung der angeforderten Informationen verbietet.

Um vollkommen zu bleiben müssen wir sagen, dass auch Scalable den Titel "ethischer Robo-Advisor" nicht mehr ganz verdient. Grund dafür ist der Stil von den marketing-Blogposts. Z.B. wird hier behauptet: Market-Timing sei nicht sinnvoll weil man riskiert, die besten 25 Tage zu verpassen (und wird verschwiegen, dass die besten 25 Tage häufig nach den schlechtesten 25 Tagen folgen). Und in anderem Post wird täuschend behauptet: von €100 Einzahlung sei bei normaler Lebensversicherung €20 Kosten des Versicheres, €10 Risikoabschlag und lediglich €70 Anlage (erstmals stimmen die Zahlen nicht, auf jeden Fall nicht pauschal, und zweitens bietet der sogenannte Risikoabschlag den Versicherungsschutz gegen Todesfall, was kein Robo-Advisor bietet). Bemerkenswerterweise ist dieser Post nicht mehr auf die Webseite von Scalable zu finden, aber manche Spuren sind z.B. auf finanzen.net geblieben.



Dafür wollen wir dem Scalable jedoch nicht so viele Vorwürfe machen, letztes Endes füttert Scalable seine potentiellen Kunden mit dem Stoff, welchen diese Zielgruppe selber will. Und zwar: schwarz-weiß und easy-going.
Aber bei Kernsachen bleibt Scalable sauber, u.a. legt seine Performance offen... Und hier sieht man, dass Scalable das Geld für Kunden zwar verdient, wäre es profitabler, einfach einen ETF auf MSCI World zu kaufen!

Grund dafür ist nicht zuletzt die höhen Kosten von Scalable. Vergleicht man diese mit den Kosten eines ETF Portfolios, so muss man 0.75% p.a. mehr zahlen, was auf Dauer gar nicht wenig ist. Traut man sich den Stockpicking (was z.B. nach Susan Levermanns System sehr sinnvoll ist), spart man sogar bis zu 1% p.a. im Vergleich zu Scalable!
Allerdings um selber erfolgreich zu sein, muss man lernen. Aber dummerweise nicht so viel, wie man denkt! Unseres Erachtens reicht es, das Buch von Susan Levermann, sowie dieses Buch aufmerksam zu lesen.
Und die notwendigen Tools wie der Renditenrechner oder Sparplan-Risikosimulator stellen wir kostenlos zur Verfügung!

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2 thoughts on “Scalable Capital durchbricht Milliardengrenze – Erfolg des StartUps und Scheitern des Volkes”

  1. Hallo, ich würde nicht pauschal behaupten, das es typisch für die Deutschen sei, in Sachen Geldanlagen unwissend und faul zu sein. Das ist mir deutlich zu pauschal als Aussage. Vielmehr muss bei der Bewertung der deutschen Anleger vor allem eins betrachtet werden und zwar die sehr nachhaltigen Auswirkungen der Krise am Neuen Markt und der Finanzkrise 2008. Zudem hat die Enttäuschung über die Entwicklung der Telekom Aktie als sogenannte Volksaktie bis in den letzten Winkel einer deutschen Anlegerschaft über viele Jahre hinweg teilweise sehr schwere finanzielle Schäden hinterlassen. Das hieraus keine Hurra Effekte hinsichtlich Börsenaktivitäten einer breiten potentiellen Anlegerschaft neu entstehen, dürfte klar sein – oder? Ob das so manchen einem neu geründeten RoboAdvisor hierzulande so klar gewesen sein sollte, darf durchaus bezweifelt werden. Aber zumindest tragen die RoboAdvisor aufgrund ihrer Konstruktion als Geschäftsmodell sicherlich einen Beitrag dazu bei, diese (Klein)anlegerschaft vielleicht wieder zum “Investieren” zu ermutigen – wenn auch mit kleinen Beträgen. ZUm Thema Scalable: “Wind machen” gehört zum Marketing. Wer mit dem Wissen, dass es sich um Marketing handelt, alles zu 100 % für bare Münze nimmt, sollte sich vorab vielleicht auch einmal mit dem Thema Marketing an sich beschäftigen 😉 Beste Gruesse, Markus

    1. Hallo Markus,
      danke für Deine ausführliche Kommentar.

      1. Wenn wir harte Aussagen machen, betonen wir immer – implizit oder explizit – dass es um unsere Erfahrung geht. Allerdings ist diese zwar begrenzt aber in keiner Weise subjektiv. Am besten spricht für unsere Aussagen sogar nicht Scalable (Scalable Geld anzuvertrauen ist besser als nichts zu tun), sondern der Fall von Wikifolio IREX.
      https://letyourmoneygrow.com/2017/06/11/wikifolio-irex-wellenritt-tsunami/

      2. Man beachte, wir wollen nicht, Scalable schlecht reden. Ja, wir entlarven mehrere marketing Blogposts von Scalable (und werden es weiter tun) aber nochmal: besser Scalable als Null-Zins beim Sparbuch. Jedoch bedeutet das längst nicht, dass Scalable die beste Variante ist. Fakt ist: Scalable kann den Markt kaum schlagen, 8-jähriges Mädel (mit unserer Hilfe) kann:
      https://letyourmoneygrow.com/category/juniordepot/

      3. Deutsche Nachhaltigkeit war in Vergangenheit gut, als es die Sparbuchzinsen und bezahlbaren Immobilien gaben. Nun sollte sowohl die Gesellschaft der Nullzinspolitik nein sagen (warum haben die Amerikaner doch ordentliche Zinsen?!) als auch muss jede Einzelnperson verstehen, dass man keine staatliche Rente garantieren kann (das ist nicht der Schuld von Staat an sich, sondern wegen Bevölkerungsälterung).

      4. Diese Aussage

      Aber zumindest tragen die RoboAdvisor aufgrund ihrer Konstruktion als Geschäftsmodell sicherlich einen Beitrag dazu bei, diese (Klein)anlegerschaft vielleicht wieder zum “Investieren” zu ermutigen

      finden wir eben zu pauschal. Robo-Advisor ist nicht gleich Robo-Advisor. Z.B. täuscht Quiri(o)n seine Kunden (lese über unsere Anfrage an BaFin). Nicht alle Wahrheit können wir noch tolerieren (und sachlich entlarven) aber klare Lüge ist für uns absolut no-go!
      https://letyourmoneygrow.com/2018/02/23/quirin-privatbank-gut-gedacht-nicht-so-gut-gemacht/

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