PRIIPs – Finanzaufsichtsbehörden wollten “wie besser” und haben wie immer gemacht

Das Jahr 2018 ist im Sinne der Finanzregulierung durch MiFID II und PRIIPs bekannt geworden. Weil MiFID II "lediglich" ein großer Aufwand für Finanzinstitute war, hat PRIIPs manche Privatanleger direkt beeinträchtigt. Victor Chernomyrdin, der erste Premierminister der Russischen Föderation, ist für seine Aussagen bekannt: u.a. man wollte "wie besser" und machte wie immer. Leider trifft es die Finanzaufsicht (zu) häufig zu.

Fangen wir kurz mit MiFID II an. Dieses Framework hat viel Stress bei Finanzinstituten verursacht, ist aber am Ende für Privatanleger eher neutral ausgefallen (abgesehen davon, dass die Finanzinstituten die entstandenen Kosten letztes Endes auf die Kunden überwälzen).

Ein Auszug aus DeGiro Info-Email von 12.12.2017

1. Orders werden nicht mehr intern ausgeführt.

Durch die neue Regulierung können Orders nicht mehr intern zwischen Kunden ausgeführt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass DEGIRO am 3. Januar die Orderart "Join Order" für Bestände streichen wird. Für Derivate wie Optionen und Hebelprodukte wird dies voraussichtlich im ersten Quartal 2018 erfolgen. Diese Änderung wird für DEGIRO zusätzliche Kosten mit sich bringen, da wir internes Order-Matching nutzen, um Börsen- und Abwicklungskosten einzusparen. DEGIRO hat eine Ergänzung unserer Lizenz beantragt, um ab 2018 von internem Matching auf internalisierend umzustellen zu können. Auf diese Weise können diese Kosteneinsparungen voraussichtlich wieder eingeführt werden. Gegenwärtig wird diese Situation zu keiner Änderung der niedrigen Gebührenstruktur für unsere Kunden führen.

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2. Erhöhte Transparenz für Gebühren

Broker, Banken und Emittenten müssen einen klareren Überblick über die Kosten geben, die sie den Kunden in Rechnung stellen. Dies betrifft nicht nur die Gebühren, die ein Broker für ein Produkt erhebt, sondern auch die in den Finanzprodukten enthaltenen Kosten. Beispiele hierfür sind die Verwaltungsgebühren bei ETFs und Zinsgebühren bei Hebelprodukten. Wir glauben, dass dies eine wertvolle Entwicklung ist, die sich positiv auf das Vertrauen der Menschen in die Finanzindustrie auswirken wird.

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Was z.B. uns anbetrifft, so vermissen wir die Join Orders kaum, finden aber die verbesserte Gebührenübersicht angenehm (obwohl wir auch früher die Kosten und Gebühren immer im Kopf gut behielten). Also würden wir MiFID II eher neutral wahrnehmen.

Ganz anders sieht es mit PRIIPs aus. Zitat aus der Folge-Email von DeGiro von 29.12.2017

Nicht handelbare Produkte
Auf Grund der neuen PRIIPS Gesetzgebung werden ab dem 1. Januar 2018 einige ausländische Produkte nicht mehr zum Kauf zur Verfügung stehen. Das Halten oder der Verkauf dieser Produkte wird weiterhin möglich sein.
Die betroffenen Produkte sind eine Auswahl an verschiedenen Produkten wie ETFs, Derivate und Zertifikate. Die neue Regulierung verpflichtet die Emittenten dieser Produkte den Kunden Informationsdokumente zur Verfügung zu stellen.
Der Gesetzgeber hat für Deutschland entschieden, dass die Dokumentation für ETCs, ETNs und Derivate und Zertifikate nur in Deutsch zur Verfügung gestellt werden kann. Für ETFs sind diese teilweise auch in anderen Sprachen erlaubt.
Aus diesem Grund werden alle Produkte nicht mehr verfügbar sein, für welche der Emittent keine Dokumente in der verpflichtenden Sprache liefert.
Wenn Sie eines dieser Produkte am 3. Januar halten, können Sie diese weiterhin halten oder verkaufen.Sie finden mehr Informationen zu diesen Veränderungen in unserem Helpcenter.

Und weiter aus Mitteilungen (von 01.08.2018):

Ausländische ETFs und Zertifikate
Die geltende europäische Gesetzgebung verpflichtet die Emittenten von Zertifikaten und ETFs Informationsdokumente zu Ihren Produkten zur Verfügung zu stellen. Das Ziel dieser Dokumente ist, den Anleger zu informieren und zu schützen. Sofern die notwendigen Dokumente bisher nicht vorliegen, sind die betroffenen Produkte seit dem 2. Januar 2018 nicht mehr über unsere Plattform verfügbar. Diese Beschränkung bleibt so lange bestehen, bis die korrekten Dokumente vom Emittenten zur Verfügung gestellt werden. Das Halten und Verkaufen dieser Produkte ist weiterhin möglich.

Was bedeutet das für uns?! U.a., dass wir nicht mehr TLT (iShares 20+ Year Treasury Bond ETF) handeln können! Also keinen Zugriff auf amerikanischen Treasuries haben, die quasi risikolos sind und – im Unterschied zu Bundesanleihen – gute Zinsen anbieten!

Unsere rhetorische Frage ist: sind die Privatinvestoren dadurch besser geschützt, dass denen untersagt wird, die amerikanischen Staatsanleihen (günstig) zu kaufen?!
Ist ein solches Blatt* – welches lt. PRIIPs nicht fehlen darf – wirklich informativ?..



Viel besserer Anlegerschütz könnte man dadurch erreichen, dass man die Grundlagen der Financial Literacy in das Schulprogramm eingeführt hätte. Dadurch könnte man auch die Mathe-Unterricht nicht so trocken machen: Bruchzahlen, Potenz und Logarithmen, Wahrscheinlichkeitsrechnung und viel mehr lassen sich organisch anhand der wahren Probleme aus Finanzwelt erklären. Aber der Vater Staat will seine Bürger anscheinend für die Dummen halten. Und es wird wohl auch so sein, solang die Bürger bei der Wahl nicht das Gegenteil nachweisen.


*Das PRIIPs Info Blatt von ComStage DivDAX® UCITS ETF haben wir als Beispiel willkürlich gewählt. Ein solches Blatt muss bei jedem ETF in Deutscher Sprache vorhanden sein. iShares 20+ Year Treasury Bond ETF darf man nicht (mehr) kaufen nur weil ein solches Blatt fehlt.

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